Lieder


Wohär u Wohi?

Zytglogge Verlag 2009


ZYT CD 4315

Bestellen bei Karin Widmer

· 1. Wohär u wohi?
· 2. Pangur Ban
· 3. Schärischlyfer-Ballade
· 4. Dr Förschter u dr Ouerhahn
· 5. Zwo Froue im Zug
· 6. Am Meeresstrand
· 7. Amerikabrief
· 8. Am Marie sy Antwort
· 9. Septämberaabe im Dorf
·10. S wird langsam Nacht
·11. Sonett a sich sälber
·12. Itz isch fertig
·13. Liebi, was isch das?
·14. Oh Meitschi, chumm ändlech a ds Fänschter
·15. Sonett vo de Müntschi
·16. Frömdwörterisch
·17. Wintersamschtig


Im Frühling 2006 begann ich Mozart-Arien zu studieren, auswendigzulernenund zu singen. Bald merkte ich, dass ich innert ein paar Minuten ganz anders zwäg war: wach, aufgetankt, durchlüftet, voller Leichtsinn und Vergnügen. Der Schritt, Lieder, die eine solche Wirkung hatten, auch ins Berndeutsche zu übertragen, war bald getan. Ich übte sie ein, merkte aber, dass sie sich höchstens für Strassenmusik eigneten, denn für das Niveau der Opernbühne taugten weder meine Stimme noch mein Gitarrenspiel. So müssten sie eigentlich mit Strassenlärmhintergrund aufgenommen werden.

Ich begann mich dann auch mit andern Liedern und Gedichten aus vergangenen Jahrhunderten zu beschäftigen: Meist sprang mich ein Text, der sich für eine Übersetzung eignete, sofort an. In kurzer Zeit entstanden etwa 20 Texte und Lieder. 2007 - 2009 sang ich einige davon in dem Programm “Ganz Alts u ganz Nöis“ zusammen mit Markus Heiniger, er sang Neues, ich Altes.

Natürlich nahm ich mir Freiheiten heraus: “Pangur Ban“, das alte irische Gedicht aus einer Bibelhandschrift des 9. Jahrhunderts, habe ich biografisch erweitert. Dem Vierzeiler: “Ich komm, ich weiss nicht woher / ich bin, ich weiss nicht was / ich fahre, ich weiss nicht wohin / mich wundert, dass ich fröhlich bin“ habe ich drei Strophen mit Nachgedanken angefügt; die dänische “Schärischlyferballade“ ist im Original um einiges kürzer und weniger konkret. 
Auf den “Amerikabrief“, den ich bereits 1980 übersetzte, habe ich endlich die Antwort geschrieben.
Paul Flemings berühmtes Sonett “An sich“ von 1638 ist meine einstweilen letzte Bearbeitung. Res Hafner spielt dazu Laute und  gibt damit dem Lied den frühbarocken Sound, den ich mir wünschte, als ich die Vertonung machte.

Es sind aber nicht nur Lieder aus der klassischen und hohen Literatur da: Ich wusste damals, 1966-69 noch nicht, als ich eine Reihe von Witzen und Anekdoten in Strophen umarbeitete und ihnen eine Melodie verpasste, dass es einige Jahrzehnte früher im Kanton bereits zwei Dichter gegeben hatte, die das gleiche taten: Johann Howald und Jakob Schrag, die beide hier nun mit je einem Lied vertreten sind.

Die meisten Liedtexte sind enthalten in meinem Buch “Wo geit das hi, wo me vergisst?“, welches im Herbst 2009 im Cosmos-Verlag Muri erscheint.


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Türeschletze
Fritz Widmer gwidmet

Zytglogge Verlag 2008


ZYT CD 4311

Bestellen bei Karin Widmer

Türeschletze
Fritz Widmer gwidmet

Schweizer Liedermacherinnen und Liedermacher singen Fritz Widmers Lieder in ihren eigenen Arrangements


Josefine – Coni Allemann
Velolied – Dodo Hug & Efisio Contini
Märzeglöggli – Duo Hinterletscht
Di nöie Stimme – Dänu Extrem
Lied vom Fabriggarbeiter – Tobias Jundt
An dääre Muur – Markus Heiniger & Florens Meury
Schyrenne am Fernseh – Dänu Brüggemanns Mongk
Matroselied für Bärner Seemänner – Martin Hauzenberger & Friends
Tanzliedli – Musique Simili
Morge – Bettina Schelker
Lied für d Ching, wo hüt uf d Wält chöme – La Folia
Warum grad gäng numen i – Crusius & Deutsch
Sonett vom Veterinärstudänt – SINGtonic
Amerikabrief – Ruedi Stuber
D Antwort vo’r Mary – Corin Curschellas
Vom Ha u vom Sy – Andreas Käppeli
Ballade vom Türeschletze – Fürschi
Ballade vo der Füürwehr vo Oberglunggewil – Schön & Grob
Dä vo de Schwümm – Voxtasy
Lied vom Sundig – Christoph Mächler
Lue di Böim – Gusti Pollak
S wird langsam spät – Franz Hohler & Marianne Racine
Ballade vom Bärgme Hannes – Tinu Heiniger
Der Fiddler – Red Shamrock


Lieder auf Leben und Tod
 
Erstaunlich, wie oft Fritz W. in seinen Texten das Leben meint und den Tod mitschreibt. Gestorben und weitergelebt wird vom ersten Song an – von der “Josefine“ bis zum Grabgang des “Bärgme Hannes“. Auch in seinen skurrilen, lumpenliedartig gebauten Chansons stolpert man über das Lachen. Scherz lass nach, denkt der geneigte Hörer, der Ernst des Lebens kommt von selbst. Carpe diem, Aufwachsen, Begleiten, Staunen, Sehnen und Abtreten sind die Widmer’schen Themen. Die angefragten MusikantInnen – die meisten des Berndeutschen mächtig, neben zwei BaslerInnen, einer Südfranzösin, einer Schwedin, zwei BündnerInnen und einigen aus dem Raum Zürichsee – blieben heiter, dunkel bis angriffig und gaben erfreulich Gas für einen ihrer Vorreiter.
Wir verantworten Reihenfolge, Künstler- und Liedauswahl.
Dieses Album ist Fritz Widmer gewidmet. Auf dass die Bestandesaufnahme, eine Auswahl seines reichen, satten Repertoires, Bestand hat.

Ingrid Etz & Hugo Ramseyer


Fritz Widmer:
Wie habe ich das verdient? Was für ein Geschenk! Meine Lieder, die – zumindest in den ersten paar Jahren – eher spröde und ländlich-treuherzig daherkamen, nun in solch melodiösen, lüpfigen, witzigen, subtilen und rhythmisch gekonnten Arrangements zu hören! Überhaupt gab es lauter Wiederbegegnungen der besonderen Art. Und da, wo meine Kolleginnen und Nachfolger und Freunde kühn den Text oder den Dialekt verändert haben, bin ich ohne weiteres einverstanden: Schliesslich arbeite ich selbst nicht anders, schreibe in meinen Übersetzungen oft Zeilen oder ganze Strophen um. Gefreut hat mich auch, dass einige sogar Arrangements gewählt haben, die sonst nur der Klassik vorbehalten sind. Und es freut mich, dass die Lieder nun wirklich fliessen und nicht mehr bloss „zur Gitarre vorgetragen“ sind. Und vor allem: Ihr habt alle den Liedern Zeit und Konzentration und Liebe geschenkt in einem solchen Ausmass, dass sie nun überzeugend leicht und lustig oder eben auch eindringlich und überlegt daherkommen.
Mein grosser Dank geht an euch alle: Ingrid Etz, Bettina und Hugo Ramseyer vom Verlag und alle InterpretInnen. F.W.


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40 Jahre Berner Troubadours

Zytglogge Verlag 2005


ZYT CD 4095

Wintersamschtig

Samschtigmorge, s isch chalt un es chesslet u chräschlet u chuttet,
Manne, wo z früe sy ufgstange, schlarpe näb yfrige Froue,
Anger probiere es Heftli z verteile, wo drinn steit, dass d Wält
Wider mal untergangi u d Ewigkeit no lenger duuri.
Vierstimmig singe wunderschön afrikanischi Froue
Öppis vo Jesus u Grace u schwanke im Takt hin u här.
U ds Bundeshuus luegt win e gueterhalteni Urgrossmuetter
Abe uf Märit u Musig u Gjufu u Gnusch

U der Himu gseht us wie wenn är
no nid so rächt wüssti, was für ne Sorte
Wätter är hütt wöll zwägmache u losla.

Samschtimittag, es schmöckt so nach Gaffee u gröschtete Cheschtele,
U de het’s o so par Umenangschlycher u Ambodehöckler u
Weischiwürdschowennichönnt– u–Heschmerestutz-he-Chlööner.
Angeri schwyge u rüere i ihrer Gedankesuppe,
Oder hocke bim Bier, wie wenn das en Antwort wüssti
Uf all die schwirige Frage i ihrem seelische Gnusch.
Da hei’s de d Tube scho gäbig: Chly rugge u picke u schysse,
Hin u här tschaupe u fäckle, wie gniesse die ds Läbe!

U d Wulche am Himu gseh us win e Versammlig
vo risige Schneemanne, wo zu re
Demo zämechöme u rüefe: MEH SCHNEE!

Samschtigaabe, es stillet langsam i de Gasse vo’r Stadt
D Lüt luege dry, wie wenn si öppis sötti u nümm wüssti, was gnau.
Angeri läse Plakat oder hange am Händy u lyre
Was es so öppe für Party-Events gäb für d Nacht düre z mache,
Für dass de ömu der Sundi churz gnue würd zum überstah.
Aber de git es ou anger, da chunnt son e Tschuppele Jodler
Liedet vo Sunne u Bärge u Chäse u Chueli u Blüemli.
Aber de wird’s ne o z chalt u si trappe a Schärme.

U der Himu het sich in en unändlechi Fyschteri
Verschloffe, aber drususe gheit ds Liecht obenabe
i Milione winzige stille Stärne vo Schnee.


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Wo der Himu no gnue Platz het
Grossvatterlieder, Übersetzige us em Schwedische u historischi Ufnahme

Zytglogge Verlag 2000


ZYT CD 4871

· 1. Am Grossätti sy Strouhuet
· 2. Di nöje Stimme
· 3. Pangsionierte-Boogie
· 4. Lied vo de Socke
· 5. Lied vo de Lüt, won i nid verstah
· 6. Offeni Landschaft
· 7. Zwölften Oktober
· 8. Chlyni Spiegelfable
· 9. Lied vo den Ohre
·10. Lied vo de  chlyne Blagörine
·11. Lied für d Ching, wo hüt uf d Wält chöme
·12. Ballade vom Basin Street Blues
·13. Wünsch
·14. Nacht
·15. Ballade vom Bärgme Hannes
·16. S wird langsam spät
.


Lied vo de Lüt won i nid verstah

Won i als chlyne Ghüderi bi zur Urgrosmuetter ggange,
für z säge: ‚Chumm cho ässe!’
isch si am Fänschter gsässe
u het so aarig Sache gseit – i ha se chuum verstange

Weit äch dir galiochtig Beieresle gunderbiere
Dir chätzibockis Totsche mangleti e chly z pariere
Ez tuusig myni alti Seel derewä z tribuliere!

Won i als Bueb i d Chilche bi so isch dert eine gstange.
E Ma mit em ne schwarze Chleid,
dä het so längi Sache gseit
u het füra so kurlig gredt, i ha ne chuum verstange:

Denn wahrlich Fleisch im Jammertal am jüngsten Tag erlahmen
So Ewigkeit und Sündensold und Zebedäi Samen
und darum lasst uns singen und Kollekte, bitte. Amen.

Won i bi grösser worde und i d Oberschuel bi ggange
da han i öppis Gspässigs ghört
mi het das tüecht, s syg alls verchehrt,
u dä wo üs das het verzellt han i nid rächt verstange

Ypsilon plus cotangens a dodekaeder sinus
von Logarithmus ix mal pi klammer geschlossen minus
komplementär – Ruhe dort hinten! hergottdonner! – minus

U was me hüt so list ir Zytig und i teilne Bletter,
da fragt me sech bi vilne Sätz
isch das äch richtig oder lätz?
Da inne steit so komischs Züüg, wo niemer rächt versteit:

Das Psychogramm vo repressiver Emanzipazion
syg zwar polyvalänt u nur bedingt e Reakzion
uf en e sexuelli Sekundärfruschtrazion

I ha vil glehrt u i he gmeint, gly verstang i alles
doch wott äch das no i my Gring,
ietz chömen ou no üser Ching
vo’r Schuel hei u verzelle Züüg, verstangi das wär wöll:

Das het de gfägt, da’sch läässig gsi, wie die enang hei uszeut
Dä heavy drive, wie die ygfahre sy: u henne Spitze!
Dä megagiga Sound, da bisch de high u total ufgsteut!

U wirden i en alte Ma u sälber Urgrossätti
u chöme myner Urgroß-Ching u säge: Sing no öppis, sing!
Wie chunnt de das äch dene vor, das Bärndütsch, won i hätti?



Lied für d Ching, wo hüt uf d Wält chöme

Da ligsch i dym chlyne Bett, dick u wohlig-luschtig,
saftisch, suggisch, söiferisch, machsch eim richtig gluschtig.
Du hesch Zyt, bisch voll dervo, tuesch se chüschte u gniesse,
s wär schön, we mir die Zyt mit dir ou nid verjufle müesse.

Was du ietz da ghörsch, das isch es Lied u Gitareseite,
die wo rede, das sy mir, wo di tüe begleite.
Begleite, bis du sälber singsch, sälber weisch, was söttisch,
sälber di vorabe bücksch zu dym Ching, wo im Bett isch.

Gniess, dass no so weni weisch: chlyni, weichi Wörter,
Später wärde si de gross, lenger, böser u herter.
Aber häb nie Angscht u lehr die fyne und die ruuche,
u lehr ungerscheide, wenn weler wie wosch bruuche.

Dänke, wie das wär für mi, so wie du no mal aafa,
ha meh hinger als vor mir, wett mängisch ou dä Schlaf ha.
U erwache us däm Schlaf voller Gluscht u Gwunder
U mi fröie uf dä Tag und uf ds nächschte Wunder.

Schlaf guet zu de letschte Tön vo myr lyse Musig
Schlaf u sammle Gluscht u Chraft für ds nöje Jahrtuusig.
We de ganz erwachisch, wirsch stuune über d Ärde.
Aber stuun ou über di, u was du alls chasch wärde.


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24 LIEDER US 25 JAHR


Zytglogge Verlag 1991


ZYT CD 4065

· 1. Lied vom Vögeli u vom Ma
· 2. S geit niene so schön u luschtig
· 3. Barbara&Co
· 4. Wie mache's de
· 5. Winterlied für Stadtjodler
· 6. AKW-Nei-Räg
· 7. Näbulied für scho ender meh atomchraftwärchfründleche Männerchor
· 8. Amerikabrief
· 9. Vom Ha u vom Sy
·10. Vati chumm hei
·11. Schyrenne
·12. Velolied
·13. Merzeglöggli
·14. Ballade vo der bluetige Spur
·15. Abschidslied für Kanada-Uswanderer
·16. Zwüschebricht us Kanada
·17. Summerlied
·18. Talking Rag für Husmanne
·19. Es herbschtelet
·20. Gloubsch wider a besseri Zyte
·21. Matroselied für Bärner Seemänner
·22. A der Muur
·23. S git settig
·24. Vo de guete u de schlächte Zyte



Schyrenne

Da gsehsch es wysses Vieregg und ir Mitti hocket eine
U hinger ihm fahrt Schnee u Wald gäg obsi chönnte me meine.
Doch eigetlich fahrt dä wo hocket, das heisst, är hocket nid.
Är steit ja uf de Schy u fahrt, das isch der Unterschid.

U wenn dä düren isch de chasch en andre Fahrer gseh.
Dä hocket wider mitts im Bild u juflet fasch no meh,
är het der Chopf vorabe u mängisch fahrt er grad,
de wider e chly schreeger, aber doch gäng z dürab.

So isch das namittagelang enorm abwächsligsrych,
will dä, wo da ir Mitti hocket, isch nid gäng der glych,
eine isch rot, der anger gälb, u da dä breit heisst Maier,
är luegt so win e Muni dry u wett, es gieng no gäjer.

Im rächten Egge flitze d Zahle, wächsle zimli schnäll.
Da gsehsch so rächt, wie d Zyt vergeit, dasch es Erläbnis, gäll.
Du hocksch i dym Footöi, u dusse schynt d Sunne,
u wenn es fertig isch, de weisch, wele dass het gwunne.



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Kriminalgschicht
Mani Matter, Jacob Stickelberger, Fritz Widmer

Zytglogge Verlag


ZYT CD 4057

1. Prolog (Matter)
2. Ds Lied vo den arme Polizeiorgan (Matter)
3. Tatort (Stickelberger)
4.Ds Annemeieli vom Längebüel (Widmer)
5. Ds Motiv (Stickelberger)
6. Verfolgigsjagd (Widmer)
7. Dr Kommissär vo May (Matter)
8. Ballade vom Bohnebedli (Widmer)
9. Wär het das Meitschi umbbracht, wär?
10. Die Verdächtige (Widmer)
11. Unuffällig (Matter)
12. Gständnis (Widmer)
13. Steckbrief (Stickelberger)
14. Schlusslied (Matter)


Die KRIMINALGSCHICHT entstand vom Februar bis November 1972 als Gemeinschaftsarbeit von Mani Matter, Jacob Stickelberger und Fritz Widmer, war allerdings bei Manis Tod am 24. Februar 1972 noch nicht ganz fertig. Zwei Lieder und die Auflösung des Falles fehlten noch. Die "Kriminaloper", wie das Werk ursprünglich heissen sollte, besteht aus einer lockeren Folge von vierzehn Liedern und kabarettistischen Dialogen.

Eigentlich ist das Ganze ein Experiment, ein Entwurf: Jacob Stickelberger und Fritz Widmer, welche die Oper von 1973 - 1975 weit über hundert Mal aufführten, reden und singen darin oft auch über das Entstehen, den Schaffensprozess, aber auch über die Klischees der Kriminalfilme und -romane und machen sich damit über die ganze Zunft der Kriminal-Story-Erfinder (einschliesslich sich selbst) lustig.

Die Kriminalgschicht ist die denkbar unzeitgemässeste Bühnenshow und hätte eigentlich einen Oscar oder zumindest Preis für die Bühnenproduktion mit dem geringsten Material-, Schnickschnack-und Beleuchtungsaufwand verdient. Was dafür an Witz, Komik, Nonsense, Derbheit, Überraschung und Spannung drinsteckt, davon können Sie sich in dieser Aufnahme vom 26. Oktober 1973 selbst überzeugen. (1989)

Nachtrag 2002:

Im Rahmen des "Matter-Herbst" 2002 in Bern haben die beiden Troubadours die Kriminalgschicht wieder mehrmals aufgeführt. Jacob Stickelberger hat das Lied "Ds Motiv" ersetzt durch ein ebenso treffendes: "Ds psychiatrische Guetachte".
Fritz Widmer hat in seinem Buch "Unverrückt" die Entstehungsgeschichte detaillierter beschrieben. (S.44-47) Die Kriminalgschicht ist von verschiedenen Gruppen, Chören und Schulen nachgespielt worden, am originellsten in der Bearbeitung von Martin Schmid in Affoltern, Zürich und anderswo.


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Mängisch brönnt's
Ballade, Lumpeliedli u Chinderlieder

Zytglogge Verlag 2000, 1985


ZYT CD 4050

· 1. Servela
· 2. Tanzliedli
· 3. Josefine
· 4. Dä vo de Fische
· 5. Dä vo de Hornusser
· 6. Dä vom fromme Ross
· 7. Ballade vom Türeschletze
· 8. Ballade vo der Gschoui
· 9. Ballade vo de Schwümm
·10. Dä vom abbrönnte Pfarrhuus
·11. Ballade vo de drei bsoffene Chöchine
·12. Ballade vo der Houptüebig vo der Fürwehr vo Oberglunggewil
·13. Ballade vo däm wo nie zueglost het
·14. Drei Manne
·15. Ballade vom Pintefritz vo Toffe
·16. E Dichter
·17. Die Verdächtige
·18. Lied vom Vögeli u vom Ma
·19. Warum grad gäng numen i?
·20. Känguruh gumpe gärn
·21. S geit niene so schön u luschtig
·22. Abraham &Co
·23. Barbara&Co



Ballade vo däm wo nie zueglost het

Losit guet zue, was ig ietze verzelle, dass’s öich de nid so geit wie däm
wo nie het glost, was die angere gseit hei, u nächär prezys wäge däm
sys Läbe so truurig het müesse, doch halt – i verrate nid alles voruus,
drum losit wie gseit, vo däm Ma u sym Übel, u zieht öjer Lehre da druus.

Är het als Bueb scho, we d Muetter ihm grüeft het, nid öppe gantwortet: „Ja“
Nid emal „hie“ oder „he“ oder „Was?“ – dir gseht, es fat nid grad guet aa.
Und i der Schuel, we d Lehrere gseit het: „Chinder, ietz losit guet zue!“
De het är sich gseit, „Hm, dä kennen i scho, vo däm han i naatina gnue.“

Sogar der Ruef vom Vatterland het er nöje nid richtig verno;
är isch e chly z spät näb em ne Polizischt hingedry i d Regrutteschuel cho.
Aber so lut wi si dert ou hei bbrüelet, är het ne nid zueglost, dä Ma,
drum het me ne, dass er nid all dermit aastecki, zimli gly wider etla.

Är packt sys Wärli, seit „Tschou mitenanger“ u trappet dür ds Stedtli ab hei.
S het grägnet ui gchuttet u drum isch’s passiert,
dass der Luft grad e Ziegelstei
het abegwäit grad uf dä Maa zue, doch eine, wo’s zuefällig gseh het rüeft no:
„Pass uf , s chunnt e Stei!“ – doch är lost halt nid,
Me gseht scho, wie’s mues usecho.

Mir wie ietze für nes Momäntli dä Stei verla u halb obe la schwäbe.
U üs vor däm schröckligen Ändi chly bsinnen über das elände Läbe,
wo ietz da us Mangel a Ufmerksamkeit so früezytig ufhört bestah.
Dir gseht, wär nid zuelost, dä cha dermit rächne, dass är sys Läbe mues la.

Allerdings isch üs für dasmal dä Ma no knapp dervocho mit em Läbe,
u zwar nume, wil mir ir vordere Strophe der Stei e chly z lang hei la schwäbe.
Är het no grad drunger ewägg möge bcho, ds nächscht Mal aber nümme so ring:
I bruuche ja nume die Strophe nid z singe, de gheit ihm der Stei uf e Gring.


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